Ein neues KapitelRefugium Klangproduktion in Dolby Atmos 7.1.4

Vom zweidimensionalen Stereobild zu einem Raum, in dem Klänge vor, hinter und über dem Hörplatz gestaltet werden können.

Dolby-Atmos-Regie von Refugium Klangproduktion mit beschrifteter 7.1.4-Lautsprecheranordnung

Dolby Atmos 7.1.4

Seit 2025 arbeite ich in meinem Studio mit einem voll ausgestatteten Dolby-Atmos-7.1.4-System. Für mich ist das ein großer Schritt nach vorn: weg vom rein zweidimensionalen Stereo-Sound, hin zu einem immersiven Hörerlebnis, das Musik und Klangwelten in allen Dimensionen erfahrbar macht.

Das neue System ist für mich nicht einfach eine Erweiterung um zusätzliche Lautsprecher. Es verändert die Art, wie ich über Tiefe, Bewegung, Nähe und Raum nachdenke – und eröffnet Produktionen ein Feld, das zwischen intimer Detailarbeit und weit aufgespannten Klangräumen liegt.

01 / Immersiver Klang

Mitten in einer akustischen Umgebung

Immersiver Klang beschreibt die Idee, Hörerinnen und Hörer in eine akustische Umgebung einzubetten, anstatt den Sound nur von vorne oder von der Seite zu erleben.

Mit Lautsprechern, die nicht nur um den Hörplatz, sondern auch darüber angeordnet sind, entsteht eine zusätzliche Höhenebene. Klänge können sich dadurch glaubwürdig annähern, entfernen oder über den Raum hinweg bewegen.

Das Ziel ist nicht, möglichst viele Effekte zu verteilen. Entscheidend ist eine räumliche Komposition, die der Musik dient und die Aufmerksamkeit dort lenkt, wo sie inhaltlich und emotional sinnvoll ist.

Grafische Darstellung eines Hörers, der von Lautsprechern und räumlichen Klangbahnen umgeben ist
Räumliches Hören umgibt den Hörplatz und bezieht die Höhenebene mit ein.

02 / Dolby Atmos

Objekte statt ausschließlich fester Kanäle

Dolby Atmos ist eines der bekanntesten Formate für immersiven Sound. Klassischer Surround arbeitet vor allem mit festen Kanälen wie links, rechts oder hinten. Atmos ergänzt diese Struktur um Audioobjekte, die im dreidimensionalen Raum positioniert und bewegt werden können.

Eine Stimme, ein Instrument oder ein Effekt erhält damit nicht nur einen Pegel für bestimmte Lautsprecher, sondern eine räumliche Position. Der Renderer übersetzt diese Position anschließend für das jeweilige Wiedergabesystem – vom mehrkanaligen Studio über Soundbars bis zur binauralen Kopfhörerfassung.

Diese Trennung von künstlerischer Raumidee und konkreter Lautsprecheranordnung schafft Flexibilität, verlangt aber weiterhin sorgfältige Entscheidungen bei Balance, Bewegung und Tiefenstaffelung.

Schema eines Dolby-Atmos-7.1.4-Heimkinos mit sieben Lautsprechern, Subwoofer und vier Höhenlautsprechern
Die 7.1.4-Anordnung verbindet eine umlaufende Ebene mit vier Lautsprechern über dem Hörplatz.

Mein Setup

7.1.4 – drei Ebenen, ein zusammenhängender Raum

7 / Ohrhöhe

Sieben Lautsprecher um den Hörplatz

Front, Center, Seiten und Rückraum bilden eine geschlossene horizontale Ebene. Sie trägt die präzise Ortung und die stabile Verbindung zwischen Vorder- und Rückraum.

1 / Tiefe

Ein eigener Kanal für den Tiefbass

Der Subwoofer übernimmt den LFE-Kanal und unterstützt die tiefsten Frequenzbereiche. Entscheidend ist dabei nicht bloße Lautstärke, sondern eine kontrollierte Einbindung in das gesamte System.

4 / Höhe

Vier Lautsprecher über dem Hörplatz

Die Höhenebene ermöglicht Bewegung und Staffelung oberhalb der klassischen Lautsprecherebene. Erst sie macht die vertikale Dimension des Formats unmittelbar hörbar.

Die neue Dimension

So kann ich Klangwelten erschaffen, die sich frei im Raum bewegen – ohne dass Räumlichkeit zum Selbstzweck wird.
Studioarbeitsplatz mit den Begriffen Dolby Surround, Dolby Atmos und Ambisonics
Surround, Dolby Atmos und Ambisonics sind unterschiedliche Werkzeuge für räumliche Klanggestaltung.

03 / Ambisonics

Ein vollständiges Schallfeld statt einzelner Objekte

Während Dolby Atmos mit einer kanalbasierten Grundstruktur und frei positionierbaren Objekten arbeitet, beschreibt Ambisonics ein zusammenhängendes räumliches Schallfeld.

Das Verfahren eignet sich besonders für Naturaufnahmen, Ensembles, Konzerte, VR- und 360°-Anwendungen. Die Aufnahme kann später für verschiedene Lautsprecheranordnungen oder als binaurale Kopfhörerfassung decodiert werden.

In meiner Arbeit nutze ich beide Ansätze. Welcher davon sinnvoll ist, entscheidet nicht das Format allein, sondern das Material, der gewünschte Raum und die künstlerische Idee.

Wiedergabe

Räumlicher Klang bleibt nicht auf das Studio beschränkt

01 / Kopfhörer

Binaurales Rendering

Über Kopfhörer wird die räumliche Szene so aufbereitet, dass Richtung, Nähe und Höhe psychoakustisch nachvollziehbar werden. Dadurch lässt sich eine immersive Produktion auch außerhalb eines Mehrkanalraums erleben.

02 / Endgeräte

Eine Mischung, verschiedene Systeme

Der Renderer passt die räumlichen Informationen an das verfügbare Wiedergabesystem an. Die Produktion kann dadurch auf großen Atmos-Anlagen ebenso wie auf kompatiblen Heimgeräten oder Kopfhörern funktionieren.

03 / Kontrolle

Stereo bleibt Teil des Prozesses

Eine immersive Mischung muss auch in reduzierten Wiedergaben musikalisch zusammenhalten. Deshalb kontrolliere ich räumliche Entscheidungen immer wieder in Stereo und binauralen Fassungen.

Für die Musik

Mehr Raum für Ausdruck und Arrangement

  • Instrumente und Stimmen lassen sich räumlich voneinander lösen, ohne sie lediglich leiser oder schmaler zu machen
  • Komplexe Arrangements können transparenter wirken, weil Tiefe und Höhe Teil der Komposition werden
  • Bewegung kann dramaturgisch eingesetzt werden – subtil, statisch oder bewusst wahrnehmbar

Für die Veröffentlichung

Eine Produktion für unterschiedliche Hörsituationen

  • Dolby-Atmos-Fassungen werden von mehreren Streamingdiensten und kompatiblen Endgeräten unterstützt
  • Binaurale Wiedergabe macht räumliche Mischungen über normale Kopfhörer zugänglich
  • Eine sorgfältige Stereo-Fassung bleibt als eigenständige und wichtige Referenz erhalten

04 / Lautsprecher

Individuell angepasst für ein geschlossenes Klangbild

Im Refugium bleibt kaum ein Gerät unverändert – und das gilt auch für die Lautsprecher des neuen Systems. Damit die zusätzlichen Kanäle nicht nur vorhanden sind, sondern als zusammenhängende Abhöre funktionieren, habe ich die Boxen individuell angepasst.

Die Frequenzweichen der Hochtöner wurden mit hochwertigen Kondensatoren überarbeitet. Zusätzlich habe ich die Polarität der Hochtöner so angepasst, dass Hoch- und Tieftonbereich an der Übergangsfrequenz phasengerechter zusammenspielen.

Das Ergebnis ist eine linearere, detailreichere Wiedergabe und eine konsistentere Abbildung zwischen den einzelnen Positionen. Gerade bei immersivem Arbeiten ist diese Übereinstimmung entscheidend: Eine Klangbewegung soll als Bewegung wahrgenommen werden – nicht als Wechsel zwischen unterschiedlich klingenden Lautsprechern.

Mehrere individuell angepasste Lautsprecher im Studio von Refugium Klangproduktion
Unterschiedliche Lautsprecherpositionen werden klanglich aufeinander abgestimmt.
Geöffneter Lautsprecher mit überarbeitetem Hochtöner und rotem Folienkondensator
Detail der überarbeiteten Frequenzweiche am Hochtöner.
Zwei hoch montierte Lautsprecher über Akustikelementen im Dolby-Atmos-Studio
Die Höhenlautsprecher integrieren sich in Raumakustik und bestehende Studioarchitektur.